Adelheid – Portrait einer starken Frau

In der ersten Ausgabe des Magazins ImPULS der Pfarreiengemeinschaft um Maria Sondheim Arnstein bin ich über einen Beitrag von Margot Heilmann mit oben stehendem Titel gestoßen, der mich sehr beeindruckt hat. Aber lest selbst !!

Adelheid mit Ihrer Familie

Groß, muskulös, schweißglänzend, Sixpack. Ist das ein starker Mensch? Natürlich ist er das! Man kann diese körperliche Stärke auf Anhieb erkennen.

Es gibt aber auch noch diese andere, nicht sichtbare innere Stärke. Man muss schon richtig hinschauen, hinter die Kulissen und sogar ein bisschen in den Menschen hineinblicken um seine „innere Stärke“ zu erkennen.

Ich habe mich mal umgeschaut und relativ schnell eine Frau mit eben dieser inneren Stärke gefunden. Freilich ist sie nicht die Einzige mit dieser Eigenschaft, vielmehr soll sie stellvertretend für alle starken Menschen stehen, die kontinuierlich und oft im Verborgenen unglaublich stark sind.

Ihr Name ist Adelheid.

Sie wuchs bei ihren Eltern und Geschwistern auf und ihre Kinder- und Jugendzeit verliefen in geordneten Bahnen. Schon als junger Mensch zeigten sich bei ihr starke soziale Empfindungen: ein blinder Onkel lebte mit in der Familie und Adelheid verspürte früh Mitgefühl und Hilfsbereitschaft für ihn, ebenso wie für einen in der Nachbarschaft lebenden behinderten Jungen. An die Schulzeit schloss sich eine Lehre zur Bürokauffrau an. Schon bald lernte sie ihren späteren Ehemann kennen und lieben, und als sich ein Kind ankündigte wurde die Hochzeit geplant. Eine glückliche Zukunft stand bevor.

Und plötzlich war er da. Der erste von vielen Schicksalsschlägen.

Noch vor der Hochzeit verlor sie das Kind. Was in den folgenden Jahren geschah, kann nur ein innerlich starker Mensch aushalten. Adelheid konnte es. Das zweite Kind, das viel zu früh geboren wurde und darum nicht lebensfähig war, und nach einem gesunden Sohn das vierte Kind, das geistig und körperlich behindert zur Welt kam. Welche Mutter wäre nicht an solchen Schicksalsschlägen verzweifelt? Dem nicht genug erkrankte auch der Ehemann in jungen Jahren an Krebs. Es folgten Operationen, Chemotherapie und anschließend die belastende Arbeitslosigkeit. Adelheid musste ihre ganze Kraft aufwenden, denn zu dieser Zeit betrieben sie auch noch Landwirtschaft im Nebenerwerb. Die Tochter benötigt bis heute viel Hilfe in allen Lebenslagen. Nur wegen des unermüdlichen Einsatzes ihrer Mutter (neue Therapien, die sie sogar bis nach Ungarn führten!) kann sich die Tochter mit Gehstöcken fortbewegen, verbal gut ausdrücken und in einer Behinderteneinrichtung eine leichte Tätigkeit ausführen. Hinzu kam die schwere Krankheit von Adelheids Mutter und die Demenz der Schwiegermutter, die sie sogar in deren letzten fünf Lebensjahren im eigenen Haushalt liebevoll versorgte. Als wäre die alles nicht genug, ging Adelheid anfangs einer Teilzeitbeschäftigung bei der Post und anschließend einer privaten Kinderbetreuung nach. Bis heute hält sie den Kontakt zu dieser Familie und ist zwischenzeitlich zweimal wöchentlich in der Nachmittagsbetreuung der Grundschule tätig. Kinder spielten schon immer eine große Rolle in Adelheids Leben. Ohne Kinder, so sagt sie, ist für sie das Leben unvorstellbar. All dies ist für Adelheid kein Grund in Selbstmitleid zu versinken! Abwechslung fand sie in der Musikkapelle, wo sie Trompete spielte und zwölf Jahre lang den Vorsitz übernahm. Als große Bereicherung bezeichnet sie die gemeinsamen Aktivitäten mit ihrem Mann. Sie tanzen in der Volkstanzgruppe und machen Ausflüge und Fahrradtouren. Woher nahm sie diese innere Stärke und Kraft? Nach eigenen Worten ließ nur ihr großer Glaube an Gott sie stark werden. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch ist für sie unverzichtbar. Gott ist ihr Kraftquell und ständiger Lebensbegleiter. Heute, so sagt Adelheid, ist sie zufrieden und glücklich. Sie ist voller Vorfreude auf ein großes Familienereignis, die Hochzeit ihres Sohnes im Oktober. Dennoch plagen sie einige Ängste: er ist so weit weg, sagt sie, lebt und arbeitet in Brüssel und wenn bald Enkelkinder kommen sollten, wünschte sie sich mehr räumliche Nähe. Viele Gedanken macht sie sich um ihre behinderte Tochter. Zwar ist alles Planbare schon geregelt, aber sie einmal zurücklassen zu müssen, das bedrückt sie schon sehr. Doch ihr großes Gottvertrauen lässt Zuversicht erkennen und sie glaubt fest daran, dass sich alles zum Guten wendet.

Begegne ich heute Adelheid, sehe ich einen fröhlichen und optimistischen Menschen, eben einen Menschen mit großer innerer Stärke.

von Margot Heilmann

Vielen Dank nochmal an Adelheid Staat und die Autorin Margot Heilmann, die mir erlaubt haben, diesen Artikel auf meiner Blogseite zu veröffentlichen !!

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